Städtischer Wirtschaftsverkehr und die Logistik von Morgen

Der Diesel-Gipfel, Fahrverbote und drohende Klagen haben im Bereich der Mobilität in hessischen Städten eine beispielslose Dynamik ausgelöst. Die städtischen Wirtschaftsverkehre und die dazu gehörende urbane Logistik sind davon nicht unberührt geblieben.

Die urbane Logistik ist dabei einer von fünf Maßnahmenschwerpunkten im Sofortprogramm „Saubere Luft 2017-2020“ des Bundes und hat in zahlreiche Greencity-Masterpläne der betroffenen Kommunen Einzug gehalten. Weiterhin geht das Land Hessen mit einem eigenen Güterverkehrskonzept voran. Das verdeutlicht den immensen Handlungsbedarf in diesem Feld.

Das Fachzentrum Nachhaltige Urbane Mobilität des Landes Hessen steht hessischen Kommunen auch auf dem Gebiet der städtischen Wirtschaftsverkehre zur Seite. Indem es eine Plattform zur Vernetzung und Informationsaustausch bietet, Kommunen berät und ihre Interessen auf regionaler, Landes- und Bundesebene vertritt.

Städtischer Wirtschaftsverkehr als Hindernis und Motor lokaler Wertschöpfung

Wirtschaftsverkehre sorgen für bis zu 20 Prozent des urbanen Verkehrsaufkommens und können für 80 Prozent der Verkehrsbehinderungen verantwortlich sein. Dabei führt das steigende Sendungsaufkommen durch einen florierenden Onlinehandel zu mehr Lieferfahrzeugen und kleinteiligeren Zustellroute. Weiterhin behindern Parksuchverkehr und illegale Parkpraktiken andere Verkehrsteilnehmer und mindern die Attraktivität des öffentlichen Raums. Die allgemeine Debatte fokussiert oft lediglich die Kurier-, Express- und Paketdienstleister, die Pakete zu privaten und gewerblichen Kundinnen und Kunden bringen.

Sie stellen die 3,5 Milliarden jährlichen Paketsendungen zu und leisten dabei einen wichtigen Beitrag zur lokalen Wertschöpfung (BIEK 2019). Diese Dynamik führt jedoch zu einer hohen Zahl ökologisch bedenklicher, gescheiterter Zustellversuche und Rücksendungen. Unbeachtet bleiben dabei oft Lieferfahrzeuge des Einzelhandels und Handwerker, die mit den Dienstleistern in direkter Konkurrenz um Logistikflächen stehen, jedoch schwieriger greifbar sind.

Durch Vernetzung aller relevanten Akteure, Beratung im Bereich der fachspezifischen Förderung, Wissenstransfer und kommunaler Interessensvertretung sollen die hessischen Kommunen und Städte in dieser schwierigen Gemengelage unterstützt und begleitet werden.

Städtischer Wirtschaftsverkehr als Teil nachhaltiger Verkehrsplanung

Die städtischen Wirtschaftsverkehre sind wichtiger Teil des SUMP-Prozesses. Nur durch integrierte Verkehrs- und Mobilitätsplanungsprozesse kann sichergestellt werden, dass sich verschiedene Verkehrsträger nicht behindern und in der öffentlichen Raumverteilung angemessen repräsentiert sind. Sollen KEP-Dienste, Lieferanten und Handwerker Formen der nachhaltigen Mobilität nicht behindern, müssen ihre Bedürfnisse Teil dieser Prozesse sein.

Das Fachzentrum stellt für diesen Prozess Informationen, Handlungsempfehlungen und die Expertise bereit, solche Prozesse umsetzten zu können.