Sustainable Urban Mobility Plan

SUMP – Das Konzept für einen nachhaltigen urbanen Mobilitätsplan

Dass nachhaltigere und integrierte Planungsprozesse benötigt werden, um der zunehmenden Komplexität urbaner Mobilität gerecht zu werden, ist heute weitgehend anerkannt.

Mit der zentralen Zielsetzung, die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen zu befriedigen und gleichzeitig die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern, beschreibt das SUMP-Konzept einen ganzheitlichen, strategischen und stadtfunktional basierten Ansatz der Mobilitätsplanung, um eine nachhaltige, zukunftsgerichtete Steuerung und Entwicklung der städtischen und regionalen Mobilität sicherzustellen.

Das SUMP-Konzept baut auf bestehenden Planungen unter Einbezug aller Verkehrsträger, relevanter Planungsthemen sowie der gesamten Stadtgesellschaft auf. Anders als von der Verkehrsplanung bisher häufig gewohnt, ist das SUMP-Konzept ein auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichteter Planungsansatz und nicht primär auf das Thema Infrastruktur fokussiert.
Die SUMP-Richtlinien beschreiben sowohl den (1) Planungsprozess zur Aufstellung eines nachhaltigen urbanen Mobilitätsplans, als auch die (2) wichtigsten Merkmale, die ein nachhaltiger urbaner Mobilitätsplans erfüllen muss.

Merkmale eines SUMP

  • 1. Eine langfristige Vision und ein klarer Umsetzungsplan

    Ein SUMP enthält eine langfristige Strategie für die zukünftige Entwicklung der Verkehrs- und Mobilitätsplanung eines vorher definierten Gebietes. Die Grenzen eines SUMP werden durch den Anspruch an „funktionale urbane Gebiete“ definiert; ein SUMP orientiert sich damit nicht an kommunalen Verwaltungsgrenzen. Ebenso enthält ein SUMP einen Durchführungsplan, in welchem ein Zeitplan für die Umsetzung der Strategie festgelegt, Zuständigkeiten eindeutig zugeordnet und erforderliche personelle Ressourcen und Finanzmittel festgeschrieben sind.

  • 2. Eine Bewertung der Leistung des Verkehrssystems

    Ein SUMP baut auf einer sorgfältigen Bewertung der Ist-Situation und der Soll-Situation des urbanen Verkehrssystems auf. Handlungsfelder werden dadurch identifiziert, zukünftige Maßnahmen definiert und eine Basislinie festgelegt, an der Fortschritte gemessen und Zwischenziele für die Umsetzung festgelegt sind.

  • 3. Eine ausgewogene und integrierte Entwicklung aller Verkehrsträger

    Ein SUMP fördert eine ausgewogene Entwicklung aller Verkehrsträger, während er gleichzeitig eine Verlagerung in Richtung nachhaltiger Verkehrsträger anregt. Der Plan legt eine integriertes Maßnahmenpaket vor, um die Leistungsfähigkeit und Kosteneffizienz im Hinblick auf die gesetzten Ziele zu steigern. Diese Maßnahmen schließen technische, fördernde und markt-basierte Maßnahmen und Dienstleistungen wie auch Infrastruktur mit ein:

    (a) Öffentliche Verkehrsmittel
    (b) Fußgänger und Radfahrer
    (c) Intermodalität
    (d) urbane Verkehrssicherheit
    (e) Straßenverkehr (fließend und ruhend)
    (f) urbane Logistik
    (g) Mobilitätsmanagement
    (h) intelligente Verkehrssysteme

  • 4. Horizontale und vertikale Integration

    Die Entwicklung und Umsetzung eines SUMP folgt einem integrierten Ansatz mit einem hohen Maß an Organisationsaufwand, Kooperation und Beratung zwischen den verschiedenen Planungsebenen und Behörden. Zur Erleichterung sollten geeignete Strukturen und Verfahren eingerichtet werden.

  • 5. Partizipativer Ansatz

    Ein SUMP folgt einem transparenten, partizipatorischen Ansatz, der die Bürger und andere Stakeholder von Beginn an und während der Planerarbeitung und der Umsetzungsphase einbezieht. Dadurch wird ein hoher Grad an Akzeptanz und Unterstützung für den Plan sichergestellt und die Umsetzung erleichtert.

  • 6. Monitoring und Evaluation

    Die Umsetzung eines SUMP wird intensiv überwacht. Die Zielerreichung wird regelmäßig auf Basis eines Indikatoren-Sets, welches zuvor festgelegt wird, bewertet. Zielabweichungen bzw. eine Korrektur der Zielvorgaben können rechtzeitig erkannt und angepasst werden. Monitoringberichte informieren Bürger und Stakeholder regelmäßig über den Fortschritt der Entwicklungen und Umsetzung eines SUMP.

Aufstellung eines SUMP

Die Anforderungen an eine nachhaltige Mobilität sind bekannt. Doch auch in anderen Bereichen wie der Luftreinhaltung, Digitalisierung, Klimawandel oder der Barrierefreiheit kommen neue Herausforderungen auf die Kommunen zu – doch die Wege dahin sind politisch und gesellschaftlich komplex. Um die die Verkehrs- und Mobilitätswende konsensfähig zu gestalten, bedarf es enormer Energie von allen Beteiligten.

Die Herausforderungen müssen in Strategien, Programmen und Plänen übersetzt werden. Nachhaltige Urbane Mobilitätspläne (SUMP) können dazu beitragen, da sie sich an den Bedürfnissen der Bevölkerung orientieren, in andere Pläne integriert werden können und im bürgerschaftlichen und politischen Dialog entwickelt und abgestimmt sind.

Die SUMP-Leitlinien beschreiben ausführlich den Weg und die Herausforderungen zur Erarbeitung eines SUMP und geben Best-Practice-Beispiele aus ganz Europa.

Im Folgenden sind die SUMP-Leitlinien zusammengefasst und in vier Phasen gegliedert:

Phase 1

Vorbereitung &

Prozessentwicklung

  • Raumbezug definieren
  • Ansprüche, Visionen und Rahmenbedingungen erarbeiten
  • Stakeholder identifizieren
  • Mobilitätswende anstreben
  • Kooperation abstecken
Phase 2

Analyse &

Zielsetzung

  • Analyse der Mobilität
  • Vom Wissen lokaler Akteure profitieren
  • Zielsetzungen formulieren mit Stimmungsbild aus der Bevölkerung, Politik und Fachöffentlichkeit

In Phase zwei erfolgt eine zielgerichtete Analyse der Verkehrs- und Raumstruktur. Die Stärken, Schwächen und Potenziale der Mobilität bzw. der Verkehrsträger im Einzelnen werden herausgearbeitet. Sie können vorgegeben sein oder erst eruiert werden. Diese Ausgangslage dient als Grundlage für die gemeinsame Ausrichtung der Mobilität im Planungsraum, beispielsweise mit den Schwerpunkten Nahmobilität oder ÖPNV.

Erste Rahmenbedingungen, Problemfelder sowie Visionen und Zielsetzungen werden gesammelt und formuliert. Dazu kann bereits ein Stimmungsbild aus der lokalen Bevölkerung, von den lokalen Akteuren und der Politik eingeholt werden, die bereits jetzt ihre Wünsche und Ansprüche an die zukünftige Mobilitätsplanung formulieren können.

Es werden qualitative wie quantitative Ziele abgesteckt (möglichst nach dem SMART-Prinzip = spezifisch, messbar, aktionsorientiert, realistisch, terminiert), sodass entsprechende Mobilitätsprioritäten gesetzt werden können.

Phase 3

Planung &

Erarbeitung

  • Umsetzungsorientiertes Maßnahmen- und Handlungskonzept
  • Effiziente Projektkoordination
  • Integrierter thematischer Ansatz
  • Zielgerichtete Problem- und Potenzialanalyse

Maßnahmen werden im Dialog mit den relevanten Akteuren ausgearbeitet, um bereits frühzeitig eine Umsetzungsperspektive aufzuzeigen. Die Maßnahmenentwicklung wird mittels des Beitrags zur Zielerreichung rückgekoppelt. Zudem gilt es, die entwickelten Maßnahmen mittels einer Kosten-Wirkung-Abschätzung zu bewerten, Synergien zu identifizieren und einen realistischen Umsetzungszeitraum festzulegen.

Daraus ergeben sich Prioritäten für die Umsetzung und letztlich ein Handlungskonzept. Diese Struktur gibt einen Überblick über zu erwartende personelle und finanzielle Ressourcen, wie auch über Zeiträume, welche Maßnahmen mit welcher Priorität und zu welchem Zeitpunkt umgesetzt werden sollte. Neben baulich-infrastrukturellen Maßnahmen sind auch Ansätze aus den Bereichen des Mobilitätsmanagements, der Kommunikation sowie der Akzeptanzförderung ein wichtiger Bestandteil des Maßnahmenkonzepts.

Phase 4

Umsetzung &

Evaluation

  • Sichtbare Sofort- und Schlüsselmaßnahmen
  • Abgleich mit den finanziellen und personellen Ressourcen für die Maßnahmenumsetzung
  • Laufendes Monitoring
  • Evaluation und Anpassung in regelmäßigen Abständen

Im Rahmen des Maßnahmen- bzw. Handlungskonzepts wird die Phase der Umsetzung eingeleitet. Mit der Struktur und Übersicht im Handlungskonzept kann nach Planerstellung vermieden werden, dass (beispielsweise aufgrund erschöpfter Ressourcen oder Verlagerung von Handlungsprioritäten) eine Phase des Stillstands eintritt.

Als ein erster Anknüpfungspunkt bieten sich Sofort- oder sogenannte Leuchtturmmaßnahmen an, die bereits während oder kurz nach der Planerstellung umgesetzt werden können. Diese Maßnahmen können helfen, die hohe Erwartungshaltung der Beteiligten zu erfüllen. Weitere Maßnahmen werden in der Regel über eine Detailplanung in formelle wie auch informelle kommunale und regionale Planverfahren bzw. Sektoralplanungen integriert.

Eine Evaluation ist ein wichtiger Baustein in der nachhaltigen Mobilitätsplanung. Sie erfolgt aufbauend auf den im Planungsprozess festgesetzten Zielindikatoren, beispielsweise anhand ausgewählter Daten wie Querschnittszählungen, Fahrgastzahlen, Umweltdaten, Modal-Split-Werten zur Verkehrsmittelwahl etc. Evaluations- und Fortschrittsberichte können zu regelmäßigen Zeitpunkten über die Zielerreichung und den Umsetzungsstand informieren. So können sowohl das Handlungskonzept als auch die Maßnahmen bei Bedarf angepasst werden.

Städtische Wirtschaftsverkehre als Teil des SUMP

Die städtischen Wirtschaftsverkehre sind ein wichtiger Teil nachhaltiger Verkehrsplanung. Nur durch integrierte Verkehrs- und Mobilitätsplanungsprozesse kann sichergestellt werden, dass sich verschiedene Verkehrsträger nicht behindern und in der öffentlichen Raumverteilung angemessen repräsentiert sind. Sollen KEP-Dienste, Lieferanten und Handwerker Formen der nachhaltigen Mobilität nicht behindern, müssen ihre Bedürfnisse Teil dieser Prozesse sein. Erfahren Sie mehr.

Literatur- und Quellenverzeichnis

Eltis. The urban mobility observatory (2019): Mobilitätspläne. Das SUMP-Konzept, [online]
https://www.eltis.org/de/mobility_plans/das-sump-konzept [30.07.2019]

Europäische Kommission (2013): Leitlinien. Entwicklung und Umsetzung eines sustainable urban mobility plan, deutsche Übersetzung des Originals „Guidelines. Developing and Implementing a Sustainable Urban Mobility Plan”, January 2014 (revised foreword), Brussels

Europäische Kommission (2013): Mitteilung der Kommission an das Europäische Parlament, den Rat, den europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen. Gemeinsam für eine wettbewerbsfähige und ressourceneffiziente Mobilität in der Stadt, 913 final, Brüssel

Fachzentrum Nachhaltige Urbane Mobilität des Landes Hessen (2018): SUMP. Plan für nachhaltige städtische Mobilität, 1. Auflage, Frankfurt am Main

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069 8700 433-63
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